Das Karpaltunnelsyndrom

Was ist ein Karpaltunnelsyndrom?

Das Karpaltunnelsyndrom - kurz KTS - zählt zu der Gruppe der Engpasssyndrome der Nerven und wird durch Druck auf den Mittelhandnerv (Nervus medianus) im Karpaltunnel des Handgelenkes hervorgerufen. Das Karpaltunnelsyndrom ist die häufigste Engpasserkrankung.

Was ist ein Karpaltunnel?Schematische Darstellung (1)

Der Karpaltunnel oder Karpalkanal, lateinisch Canalis carpi, stellt eine teils bindegewebige, teils knöcherne Verbindungsstraße zwischen Unterarm und Hohlhand dar (1). Alle Sehnen der langen Fingerbeugemuskeln bündeln sich im Karpaltunnel auf ihrem Weg vom Unterarm in die Hand. Zusätzlich verläuft der Mittelhandnerv (Nervus medianus) durch diesen Tunnel. Der Boden des Karpaltunnels wird von den Handwurzelknochen gebildet. Das Dach des Karpaltunnels (Retinaculum flexorum) besteht aus sehr straffem Bindegewebe. Dieses hält die Sehnen bei Bewegung des Handgelenkes und der Finger im Kanal.

Was macht der Mittelhandnerv (N. medianus)?

Der im Karpaltunnel verlaufende Mittelhandnerv versorgt auf der Greifseite der Hand Daumen, Zeige- und Mittelfinger mit Gefühlsnerven. In der Regel wird auch die Hälfte der Greifseite des Ringfingers vom Mittelhandnerv versorgt. Auch Muskeln der Hand werden duch den Nerv innerviert. Hier ist der überwiegende Teil der als Daumenballen (Thenarregion) sichtbaren Muskulatur zu nennen.

Wie macht sich ein Karpaltunnelsyndrom bemerkbar?

Der Patient gibt häufig ein nächtliches Erwachen (Paraesthesia nocturna) mit Schwellungsgefühl und Kribbeln (Parästhesie) der Hand an (2). Im weiteren Verlauf kann ein Schwächegefühl und ein zunehmender Verlust der Hautsensibilität - bishin zum totalen Gefühlsverlust hinzukommen. Je nach Dauer stellt sich dann auch ein sichtbare Verschmächtigung (Atrophie) der Daumenballenmuskulatur (3) mit entsprechenden Bewegungsstörungen ein.

Das nebenstehende Bild (3) zeigt eine solche Verschmächtigung der Daumenballenmuskulatur. Die Muskulatur wirkt wie "eingefallen".

Was sind die Ursachen für ein Karpaltunnelsyndrom?

Generell handelt es sich um ein Mißverhältnis zwischen Raumangebot und Tunnelinhalt. Überwiegend ist ein Reizzustand des Sehnengleitgewebes (Synovia) mit Volumenzunahme als Ursache festzustellen.

Stoffwechselveränderungen und -erkrankungen können eine Volumenzunahme des Sehnengleitgewebes bewirken:

Neben diesen beispielhaft genannten durch den Stoffwechsel bedingten Veränderungen mit Zunahme des Karpaltunnelinhaltes sind Veränderungen des Karpaltunnels selbst zu nennen:

Wer bekommt ein Karpaltunnelsyndrom?

Das Karpaltunnelsyndrom kommt bei Frauen häufiger als bei Männern vor. Das Verhältnis ist etwa 70 zu 30. Außer bei Patienten, die an den oben genannten Erkrankungen oder Verletzungsfolgen leiden, wird als Ursache auch körperliche Belastung, z.B. im Beruf, angeführt. Ein Kausalzusammenhang lässt sich aber nur in den seltensten Fällen nachweisen.

Wie wird die Diagnose "Karpaltunnelsyndrom" gesichert?

Auch wenn die Untersuchung und die Angaben des Patienten meist zur Diagnose eines Karpaltunnelsyndroms führt, sollte eine Untersuchung durch den Nervenarzt (Neurologen) immer erfolgen. Durch elektrische Reizung kann die Nervenleitgeschwindigkeit gemessen werden. D.h. die Ausbreitungsgeschwindigkeit der Nervenimpulse im Mittelhandnerv. Eine Verlangsamung der Ausbreitungsgeschwindigkeit gegenüber Normwerten sichtert die Diagnose des KTS. Wir unterscheiden die sensible und motorische Nervenleitgeschwindigkeit.

Ich halte  Röntgenaufnahmen des Handgelenkes in zwei Ebenen bei gesichertem Karpaltunnelsyndrom zum Ausschluss knöcherner Veränderungen für notwendig. Dagegen sind CT (Computertomografie) und MRT (Magnetresonanztomografie) in der Regel überflüssig. Nur das MRT kann im Einzelfall bei Tumorverdacht sinnvoll sein. 

Muss ein Karpaltunnelsyndrom immer operiert werden?

Nein! Je nach Ausmaß und Dauer der Beschwerden können kurzfristige Ruhigstellung und entzündungshemmende Medikamente erfolgreich sein. Auch die Gabe von Vitamin B ist in manchen Fällen sinnvoll.

Eine Linderung der nächtlichen Schlafstörung ist auch durch eine Nachtlagerungsschiene, die das Handgelenk ruhig stellt, möglich.

Die Erfahrung zeigt auch, dass in der Schwangerschaft auftretende Karpaltunnelsyndrome häufig vollständig zurückgehen.

Erst wenn diese konservativen Massnahmen nicht zum dauerhaften Erfolg führen, sollte bei leichten Nervenstörungen eine Operation erwogen werden.

Bei dauerhaftem Gefühlsverlust, ständigem Kribbeln und bei Muskelschwund ist eine Operation in der Regel notwendig.

Wie wird die Operation eines Karpaltunnelsyndroms durchgeführt?

Das Prinzip ist die Erweiterung des Karpaltunnels durch Spaltung des Karpaltunneldaches. Es gibt zwei mögliche Wege:

  1. Die offene Operation mit Durchtrennung der Haut über dem Karpaltunneldach.
  2. Die geschlossene (endoskopische) Durchtrennung mit Zugang im Bereich der Handgelenksbeugefalte unter Einsatz einer Kamera.

Beide Verfahren haben Vor- und Nachteile. Der endoskopischen Methode wird eine schnellere Beschwerdefreiheit nach der Operation nachgesagt. Die geringere Übersicht während der Operation bedingt ein höheres Risiko für ungewollte Verletzungen der im Karpalkanal liegenden Strukturen (Nerven und Sehnen).

Auch in der geübten Hand hat die endoskopische Methode eine höhere Komplikationsrate als das offene Verfahren.

Das offene Verfahren sollte in jedem Fall durchgeführt werden bei:

Die meisten Karpaltunneloperationen können ambulant durchgeführt werden. Empfohlen wird eine stationäre Behandlung bei Tumorverdacht, Wucherungen des Sehnengleitgewebes mit der Notwendigkeit der kompletten Entfernung, Wiedererkrankungen (Rezidiv) sowie bei Komplikationen.

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