Kahnbeinbruch

Was ist ein Kahnbeinbruch?

Es handelt sich um den häufigsten Bruch im Bereich der Handwurzel. Das Kahnbein (Os scaphoideum, Scaphoid) ist einer der Handwurzelknochen. Wir sprechen auch von der Scaphoidfrakur.

Wie kommt es zum Kahnbeinbruch?

Häufigste Ursache ist ein Sturz auf die ausgestreckte Hand. Ein hoher Anteil der Verletzungen entsteht bei den Fun-Sportarten (Inliner, Skateboard, Snowboard). Hier spielt sicherlich die erreichbare Geschwindigkeit eine wesentliche Rolle.

Besondere Anatomie des Kahnbeins

Bruchformen am Kahnbein (1)

Die Lokalisierung des Bruches ist wichtig für die Prognose, d.h., die Aussicht auf Heilung. Dies hängt u.a. mit der Blutversorgung des Kahnbeines zusammen. Denn diese erfolgt ausschließlich über den körperfernen (distalen) Pol des Kahnbeines. Die Durchblutung wird somit zum Körper hin (nach proximal) kritischer. Ein Bruch im körpernahen Drittel des Kahnbeins ist problematischer als ein Bruch im körperfernen Drittel. Die Gefahr eines Ausbleibens der knöchernen Durchbauung nimmt zu. Es kann sich ein so genanntes Falschgelenk (Pseudoarthrose) bilden.

Wie fällt ein Kahnbeinbruch auf? 

Das Erscheinungsbild gleicht häufig dem einer Handgelenkszerrung (Distorsion). Auch klingen die Schmerzen und der eventuelle Bluterguss (Hämatom) nach ein paar Tagen ab. Dies ist ein Grund dafür, dass immer noch viele frische Brüche des Kahnbeins nicht sofort behandelt werden.

Bei der Untersuchung klagt der Patient häufig über einen lokalen Druckschmerz. Auch der Zug und der Stauchungsdruck am Daumen führen häufig zu Schmerzen.

Röntgenuntersuchung und MRT

Wir führen bei einem Kahnbeinbruchverdacht immer vier Bildebenen aus. Aber: Ist eine Kahnbeinfraktur bei der ersten Röntgenuntersuchung nicht sicher nachzuweisen - obwohl der Verdacht besteht - so wird immer eine erneute Kontrolluntersuchung in 8-10 Tagen durchgeführt. In der Zwischenzeit erfolgt eine Ruhigstellung. Ein frühzeitiger Nachweis bei Verdacht auf einen Kahnbeinbruch ist durch die hochauflösende Kernspintomographie (MRT) möglich.

Einteilung der Bruchformen am Kahnbein

Die Kahnbeinbrüche werden in die Klassifikation nach Herber und Fischer (1) eingeteilt. Nicht dargestellt ist unten der Typ C (verzögerte Knochenbruchheilung) und Typ D1 - D4 (Formen der Falschgelenkbildung) 

Therapie des Kahnbeinbruches

Ein Kahnbeinbruch wird heute überwiegend operativ versorgt. Nur die stabilen Brüche Typ A werden noch gelegentlich konservativ durch reine Ruhigstellung behandelt.

Die notwendige lange Ruhigstellung bei der konservativen Behandlung von Bruchformen Typ B und C von 8-12 Wochen macht andere Therapieformen erstrebenswert, um sekundäre Schäden (Einsteifung, Entkalkung der Knochen und Museklschwund) zu verhindern.

Herbert-Schraube 

Zur Stabilisierung wird bei der operativen Therapie der Kahnbeinfrakturen ganz überwiegend die Herbert-Schraube angewendet. Die nebenstehende Abbildung zeigt eine solche Schraube (2).

Die Herbert-Schraube zeichnet sich durch zwei  Gewinde mit unterschiedlicher Steigung aus. Sobald das eine Gewinde den Bruchspalt passiert hat, werden die Bruchstücke aneinander gedrückt. Die Schraube wird vollständig im Knochen versenkt und verbleibt in der Regel im Knochen.

Die folgende Röntgenbildserie zeigt die Herbert-Schraube in einem Kahnbein.

Die Herbert-Schraube ist innen hohl (kanüliert). So kann über einen kleinen Schnitt auf der Beugeseite des Handgelenkes zunächst ein Draht unter Röntgenkontrolle eingebracht werden (5). Liegt dieser Draht dann korrekt im Kahnbein, kann die Schraube über diesen Draht eingeschraubt werden.

Allerdings ist diese perkutane ("durch die Haut") Methode nur bei Querbrüchen im mittleren Drittel ohne Verschiebung (Typ B2) sinvoll. Alle anderen Bruchformen müssen durch einen größeren Schnitt freigelgegt werden, um sie 1. einzurichten und 2. eingschlagenes Gewebe aus dem Bruchspalt zu entfernen.

Nachbehandlung

Durch die Operation kann die früher übliche lange Ruhigstellung bei der konservativen Therapie heute unterlassen werden. Ziel ist eine frühfunktionelle Übungsbehandlung. Bei Brüchen im mittleren und körperfernen Drittel reicht eine Ruhigstellung von 2 Wochen aus. Lediglich bei körpernahen Brüchen ist Vorsicht geboten, sodass wir hier weiterhin 3-4 Wochen auf einer Unterarmgipsschiene ruhigstellen.

Komplikationen

Das Hauptrisiko ist die ausbleibende knöcherne Durchbauung. Dieses Risiko ist bei der reinen Gipsbehandlung am größten. Ferner kommt es regelmäßig durch die Kapselschrumpfung zu hartnäckigen Bewegungseinschränkungen des Handgelenkes.

Auch bei der operativen Therapie kann es zu einer ausbleibenden oder verzögerten Knochenheilung kommen. Diese ist jedoch selten. Eine weitere seltene Komplikation ist die Materiallockerung. Zudem kann eine schlecht platzierte und überstehende Schraube Knorpelschäden und Gewebeirritationen herbeiführen. Abhilfe schafft hier die Entfernung der Schraube nach knöcherner Durchbauung des Kahnbeins.

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