Überbein, Ganglion, Zyste

Was ist ein Überbein?

Beim Überbein - auch Ganglion oder Zyste genannt - handelt es sich um einen mit zäher Flüssikeit gefüllten Knoten meist in der Umgebung von Gelenken und Sehnen.

Was verursacht ein Überbein?

Genau wissen wir es nicht. Eine mögliche Erklärung ist folgende:

Gelenke enthalten eine Gelenkflüssigkeit und Sehnen sind in ihrem Gleitlager ebenfalls von einer Gleitflüssigkeit umgeben.

Durch Defekte dieser sonst abgeschlossenen Kompartimente dringt die zähe Gleitflüssigeit heraus - etwa wie Zahnpasta aus einer Tube. Das meist kleine Loch wirkt wie ein Ventil. Die Flüssigkeit kann nicht mehr zurück.

Durch Wasserentzug dickt die Flüssigkeit weiter ein. Zum Zeitpunkt der Operation ist das Ganglion mit einer geleeartigen Masse gefüllt.

Wo finden sich Überbeine?

Das Handgelenksganglion finden wir am häufigsten. Es gibt Handgelenksganglien an der Streck- und Beugeseite (Bild 1 und 2).

Eine weitere häufige Lokalisation ist das Ringbandganglion. Es handelt sich um ein Überbein der Sehnenscheide des Fingers. Meist liegen diese Überbeine am Übergang zur Hohlhand im Bereich der Grundgelenksbeugefalte. Sie sind in der Regel erbsengroß.

Ein Sonderfall sind mukoide Zysten. Sie nehmen ihren Ausgang vom Endgelenk der Finger - meist im Rahmen einer Arthrose der Endgelenke. Hier gibt es Besonderheiten. Daher behandle ich dies an anderer Stelle separat.

Auch die im Kochen gelegenen (intraossären) Ganglien möchte ich hier erwähnen. Diese finden wir häufig bei unklaren Handgelenksschmerzen in Handwurzelknochen. Hier sind vor allem das Mond- und Kahnbein betroffen. Auch diese Erkrankung möchte ich an anderer Stelle besprechen.

Wie kann man ein Überbein behandeln?

Abwarten ist durchaus eine Option. Manche Überbeine werden vom Körper resorbiert. Dies trifft besonders für die Ringbandganglien zu.

Zwei Therapieformen möchte ich erwähnen, die Sie nie durchführen sollten:

Von Großeltern hörte man gelegentlich den Rat, das Überbein mit Hilfe eines Buches zu zerschlagen bzw. zu zerdrücken. Das hier meist die Bibel zum Einsatz kam, mag an Größe und Gewicht der damaligen Bücher liegen. Im bibeltreuen Amerika wird das Handgelenksganglion übrigens auch "Giddeon's disease" - also "Giddeons Erkrankung" genannt.

Versuchen Sie selbst nie ein Überbein mit einer Nadel zu punktieren! Ich hatte bereits ausgeführt, dass viele Überbeine eine Verbindung zum Gelenk haben. So kann eine unsterile Punktion zur Gelenkinfektion führen. Leider wird diese "Therapie" häufig bei mukoiden Zysten am Finger versucht. Hier ist es besonders verführerisch, da die mukoide Zyste aufgrund der Hautausdünnung am Fingerendglied ehr wie ein Blase aussieht. Schwere Gelenkinfektionen mit Zerstörung der Gelenkflächen und letztlich Bewegungsverlust können die Folge sein.

Wichtig ist die Klärung der Diagnose durch den Arzt! Es muss sichergestellt sein, dass es sich wirklich um ein Überbein handelt.

Die weitere Diagnostik, z.B. Röntgenaufnahmen, können zugrunde liegende Erkrankungen feststellen. Das Überbein ist häufig Folge einer anderen Gelenkerkrankung, die zusammen mit dem Ganglion behandelt werden sollte, um eine Wiedererkrankung zu vermeiden. So finden wir bei der Daumensattelgelenksarthrose häufig auch Überbeine in Gelenknähe. Auch können Überbeine ab einer bestimmten Größe durch Druck benachbarten Knochen schädigen.

Sind ernsthafte Erkrankungen ausgeschlossen, so stellt das Überbein in der Regel kein großes Problem dar. Wenn es schmerzlos ist, darf abgewartet werden.

Eine Ausnahme stellen die mukoiden Zysten mit Ausdünnung der Haut am Endglied und Nagelwachstumsschäden da. Hier ist zur Vermeidung von ernsthaften Schäden die operative Entfernung die beste Alternative.

Auch ärztlich durchgeführte, sterile Punktionen empfehle ich selbst nicht. Sie machen m.E. nur Sinn, wenn aus bestimmten Gründen eine Operation nicht möglich ist. Die größte Zahl der mit Punktion behandelten Überbeine am Handgelenk kommt wieder.

Wie wird ein Überbein operiert? 

Das Prinzip der Operation ist recht einfach zu verstehen. Die Haut wird über dem prall-elastsichen Überbein durchtrennt. In einer vorsichtigen Präparation wird die Zystenhülle dargestellt. Die Hülle wird dann bis zum in der Regel vorhandenen Stil verfolgt. Der Stil wird unterbunden und das Überbein abgesetzt. Der Defekt in der Gelenkhülle wird meist mit einer Naht verschlossen.

Wie erfolgreich ist eine Operation?

Der Erfolg einer Operation hängt von vielen Dingen ab. Lokalisation und Ursache sind wesentliche Faktoren. Wenn eine Gelenksarthrose Ursache für das erste Erscheinen eines Überbeines war und die Arthrose nicht behandelt wurde (oder nicht behandelbar war!), besteht ein nicht geringes Wiedererkrankungsrisiko (Rezidivrisiko).

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