Brüche mit Drehfehler der Finger

Oberflächlich betrachtet ein unkomplizierter Bruch... 

Die folgenden Bilder zeigen die Hände eines jungen Mädchens. Sie kam 14 Tage nach eine Rangelei in die Klinik. Auf der Streckseite des Handrückens sowie über dem Kleinfinger ist ein Bluterguß zu erkennen.

Das Röntgenbild zeigt bei genauer Betrachtung eine in der Aufsicht schrägverlaufende Linie.

Zunächst könnte man der Meinung sein, dass der Bruch nicht verschoben ist und eine Ruhigstellung ausreichend sei.

Dem ist nicht so!

Bei Fingerbrüchen sind drei Röntgenebenen zur Beurteilung notwendig!

Zwei Aufnahmen in einem Winkel von 90° können häufig das wahre Ausmaß des Bruches nicht zeigen. So ist auf der zweiten, streng seitlichen Aufnahme des Kleinfingers der Bruch kaum zu erkennen.

Erst auf einer dritten, schrägen Ebene im Winkel von 45° ist deutlich ein Bruchspalt im Grundglied zu erkennen. 

Dem Erfahrenen zeigt dieser spiralförmige Verlauf des Bruches und die Aufweitung, dass es sich nicht um einen unkomplizierten Bruch handelt. Aus handchirurgischer Erfahrung erwarte ich einen Drehfehler des Fingers!

Aber auch der in der Röntgenanatomie und -pathologie Unerfahrene kann die Problematik leicht erkennen.

Die klinische Untersuchung der verletzten Hand ist unerlässlich!

Die simple Überprüfung des Faustschlusses zeigt deutlich den Drehfehler des Kleinfingers. Er dreht bei der Beugung unter den Ringfinger.

Eine Ruhigstellung des Fingers ohne Korrektur würde zu einer bleibenden Einschränkung der Greiffunktion führen.

Was kann man tun, wenn der Bruch in Fehlstellung mit Drehfehler verheilt ist?

Ein erneutes "Brechen" des in Fehlstellung verheilten Bruches ist nicht sinnvoll. Die Reparationsvorgänge machen eine exakte Stellungskorrektur in den seltensten Fällen noch möglich.

Eine effektive Möglichkeit ist die Drehungskorrektur an einem anderen Knochen des betroffenen Fingerstrahls. Das folgende Beispiel zeigt einen in Fehlstellung verheilten Ringfingergrundgliedbruch. Deutlich ist der ehemalige Spiralbruch des Grundgliedknochens am Ringfinger noch zu erkennen. Die Korrektur erfolgte durch eine Gegendrehung im Mittelhandknochen.

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