Knöcherner Ausriss der Strecksehne aus dem Endglied - Busch-Fraktur

Was ist ein Strecksehnenausriss?

Neben direkten Verletzungen durch Schnitte, ist die indirekte Verletzung der Strecksehne ein häufiges Problem. Es handelt sich um einen Ausriss der langen Fingerstrecksehne aus der Ansatzstelle des Endgliedes.

Wir unterscheiden verschiedene Ausprägungen der Verletzung:

1. Ausriss am Übergang zum Knochen (Typ I)

2. Ausriss unter Mitnahme eines kleinen Knochenfragmentes (Typ II)

3. Ausriss unter Mitnahme vom mehr als 50 % der Gelenkfläche (Typ III, Busch-Fraktur)

Wie erkenne ich einen Strecksehnenausriss am Finger?

Der Patient ist nicht mehr in der Lage, das Fingerengelenk vollständig zu strecken. Durch das herunterhängende Endglied  spricht man auch vom "Hammerfinger" (1).

Wie wird der Strecksehnenausriss therapiert?

Verletzungen mit Ausrissen am Ansatz oder mit nur kleinen knöchernen Ausrissen (Typ I und II) kann man durch die Schienung des gestreckten Fingerendgelenkes behandeln. Es gibt für diesen Zweck entsprechende Fingerschienen (siehe weiter unten). Eine Behandlung ohne Operation nennen wir "konservative Therapie". Eine Röntgenbildfolge eines über 6 Wochen konservativ behandelten Strecksehnenausrisses sehen sie au dem Röntgenbild (2).

Bei großen knöchernen Ausrissen mit Beteiligung der Gelenkfläche kommt es allein durch den Zug der Strecksehne zu einer Verschiebung (Dislokation) des Bruchstückes. Eine Ausheilung in dieser Fehlstellung führt über die Verformung der Endgliedgelenkfläche zu Schmerzen und einem vorzeitigen Verschleiß. Bei großen Bruchstücken und Instabilität des Gelenkes empfehle ich daher die Operation. Sie verkürzt nicht die Dauer der Behandlung, sondern stellt eine Möglichkeit dar, die anatomischen Verhältnisse wiederherzustellen.

Es gibt verschiedene Verfahren zur Fixierung. Ich verwende Drähte oder Schrauben. Bei großen Bruchstücken bevorzuge ich die Minischraube, da sie bei guter Verankerung dem Zug der Strecksehne besser entgegenwirkt. Die nachfolgende Abbildung zeigt einen knöchernen Sehnenausriss mit großem Bruchstück (3). Deutlich ist das Auseinanderweichen und eine beginnende Verdrehung zu erkennen.

Im nächsten Bild sehen Sie die Versorung eines Strecksehnenausrisses mittels einer Titan-Minischraube (4). Die Gelenkfläche ist wieder hergestellt. Aufgrund der geringen Größenverhältnisse ist bei dieser Versorung Fingerfertigkeit vom Operateur gefragt. Letztlich ist die Gefahr eines Fragmentbruches beim Durchbohren und die Fehlpositionierung der Schraube (zu kurz oder zu lang) groß.

Es handelt sich mehr um eine Bruchversorgung als um eine Sehnennaht. Ziel der Operation ist neben der Fixierung der Sehne die Wiederherstellung der Endgliedgelenkfläche.

Wie wird der Strecksehnenausriss ruhiggestellt?

Für die Ruhigstellung des Endgelenkes gibt es vorgefertigte Fingerhülsen (5). Sowohl bei der operativen wie bei der nichtoperativen Therapie des Strecksehnenausrisses kommt sie zur Anwendung.

In der Regel wird die Schiene für acht bis zehn Wochen getragen. Wichtig ist vor allem bei der nichtoperativen Therapie die Konsequenz der Durchführung.

Die Schiene ist aus Kunststoff. Wird sie direkt auf dem Finger getragen, so steigt durch die Feuchtigkeit das Risiko für Pilzinfektionen und Hautirritationen. Wir ziehen daher immer einen Baumwollfingerling unter die Schiene (6). Er dient auch gleichzeitig zur Fixierung.

Muss etwas bei der Schienenbehandlung beachtet werden?

Ja! Nie sollte innerhalb der ersten sechs Wochen die Festigkeit der Strecksehne durch einen Beugeversuch "getestet" werden. Besonders beim konservativen (nicht-operativen) Vorgehen riskieren Sie einen erneuten Abriss. Dies bedeutet eine Verlängerung der Ruhigstellung und ein schlechteres Endergebnis!

Achten Sie beim Wechsel auf eine Streckstellung des Endgelenkes! Lassen Sie sich am Anfang beim Wechsel des Fingerlings helfen. Legen Sie die Hand am Anfang flach auf eine glatte Oberfläche.

Achten Sie auf die richtige Größe der Schiene! Nur das Endgelenk soll ruhiggestellt werden. Grund- und Mittelgelenk müssen für eigenständige Bewegungsübungen frei bleiben.

Welche Probleme können auftreten?

Beim operativen Vorgehen kann es zu Wundheilungsstörungen kommen. Schrauben und Drähte können sich lösen und zu einer erneuten Verschiebung von Bruchstücken führen.

Sowohl bei operativen wie konservativen Methoden kann eine vollständige Wiederherstellung der Endgelenkfunktion nicht garantiert werden. Geringe Streckdefizite sind nicht selten. Auch kann - bedingt durch die Vernarbung der Strecksehen - eine Schwellung verbleiben.

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