Ausrenkungen an Hand- und Handwurzelgelenken

Was sind Ausrenkungen?

Bei Ausrenkungen (Luxationen) kommt es zu einem Auseinanderweichen der sonst zueinander stehenden Gelenkflächen. Haben die Gelenkflächen keinen Kontakt mehr, so sprechen wir von der kompletten Ausrenkung (komplette Luxation). Besteht noch ein Kontakt, so sprechen wir von einer Teilausrenkung (Teilluxation). Zusätzlich wird noch die Richtung der Ausrenkung angegeben. Hierbei orientiert man sich am körperfernen Gelenkpartner.

Wie kommt es zu Ausrenkungen?

Die Ursache ist in der Regel ein Unfallmechanismus.

Erwähnen möchte ich hier aber, dass wir auch einen Kontaktverlust von Gelenkflächen bei rheumatischen Erkrankungen und der Arthrose (z.B. Daumensattelgelenk) sehen. Auch in diesem Zusammenhang sprechen wir von Ausrenkungen.

Eine sehr häufige Verrenkung ist die des Mittelgelenkes (PIP-Gelenk) am Finger. In der Regel rutscht das Mittelglied zur Streckseite. Ursache ist meist eine Krafteinwirkung (Stauchung) in Achsenrichtung des leicht gebeugten Fingers.

Abhängig von der Einwirkungsrichtung kommt es an den Fingern auch zu beugeseitigen und seitlichen Verrenkungen.

Am Daumen finden wir überwiegend Ausrenkungen im Daumengrundgelenk.

Während es bei der Ausrenkung an Finger- und Daumengelenken keiner großen Kräfte bedarf, so sind große Energien für die Herauslösung von Handwurzelknochen aus ihrem Gefüge notwendig. Wir sehen derartige Verletzungen z.B. bei Motorradunfällen.

Die häufigste Verrenkung an den Handwurzelknochen ist die Verrenkung des Mondbeines zur Beugeseite (palmare Lunatumluxation).

Gibt es Begleitverletzungen bei der Ausrenkung?

Begleitverletzungen sind die Regel! Oft sind die Kapselstrukturen und Bänder eines Gelenkes zerrissen. Daneben kann es zu Verletzungen der Haut kommen. Hier sprechen wir von offenen oder geschlossenen Ausrenkungen. Auch begleitende knöcherne Verletzungen finden sich nicht selten (Luxationsfraktur).

Letzlich muss eine Schädigung des Knorpels bei jeder Ausrenkung angenommen werden.

Wie stellt man die Ausrenkung fest?

Bei frischer Ausrenkung der Finger oder des Daumens ist die Diagnose aufgrund der Fehlstellung meist leicht und schon bei der Untersuchung zu stellen. Die Beweglichkeit des betroffenen Gelenkes ist meist "federnd" eingeschränkt.

Schwieriger wird die Diagnose bei starker Schwellung des betroffenen Fingers.

Die Erstbehandlung beinhaltet die Beschreibung des Unfallherganges (Anamnese) und die klinische Untersuchung der betroffenen Extremität.

Aufgrund der möglichen Begleitverletzungen ist neben der Prüfung der Gelenkfunktion eine Überprüfung

zwingend notwendig!

Es muss bei Ausrenkungsverdacht daher immer eine Röntgenuntersuchung in mehreren Ebenen erfolgen!

Betrachten Sie das nebenstehende Röntgenbild (1). In dieser Ebene sieht der erfahrene Untersucher eine "Aufweitung" des Gelenkspaltes am Mittelgelen des Mittelfingers. 

Erst die streng seitliche Zielaufnahme (2) des betroffenen Fingers zeigt die komplette Ausrenkung des Mittelgliedes zur Streckseite (dorsale Mittelgliedluxation). Auch der knöcherne Bandausriss auf der Beugeseite der Mittelgliedbasis ist zu erkenen. Wir können hier also einen Ausrenkungsbruch des Mittelgelenkes feststellen!

Müssen Ausrenkungen immer operiert werden?

Nein! Vor allem die Ausrenkungen der End- und Mittelgelenke der dreigliedrigen Finger und des Daumenendgelenkes können in der Regel ohne Hautschnitt (geschlossen) eingerenkt (reponiert) werden. Sie kommen durch eine 2 bis 4-wöchige Ruhigstellung in der Regel zu einer stabilen Ausheilung.

Auch ein Ausrenkungsbruch mit kleinem Bruchstück - wie oben dargestellt- kommt nach geschlossener Reponierung und Ruhigstellung zur Ausheilung.

Operationen der betroffenen Gelenk sind nötig bei:

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