Arthrose der Hand und Handwurzel

Was ist eine Arthrose?

Arthrose, Gelenkverschleiß (Arthrosis deformans; degeneratives Rheuma)

arthro...(griech.) = Gelenk; ...osis = Krankheit

Die Arthrose stellt eine vorwiegend degenerative, nicht entzündliche und nichtinfektiöse chronische Gelenkerkrankung dar, die mit Schmerzen und zunehmenden funktionsbehindernden Gelenkveränderungen einhergehen kann.

Wer bekommt eine Arthrose?

Bei fast allen Menschen über 65 Jahren lassen sich röntgenologisch Zeichen einer Arthrose feststellen, es kann aber bereits in jüngeren Jahren zur Ausbildung einer Arthrose kommen.

Es wird eine primäre Arthrose mit unbekannter Ursache von einer häufiger auftretenden sekundären Arthrose unterschieden. Die primäre Arthrose finden wir in der Regel im fortgeschrittenen Alter. Die sekundäre Arthrose können wir in jedem Alter finden.

Allgemein kann man sagen, dass sich eine Arthrose immer aus einem Missverhältnis zwischen Beanspruchung und Belastungsfähigkeit des Gelenks entwickelt. Eine verminderte Belastungsfähigkeit kann angeboren sein. 

Gibt es eine familiäre Häufung?

Ja. Besonders an den Fingergelenken (Heberden-Arthrose und Bouchard-Arthrose) und dem Daumensattelgelenk finden sich familiäre Häufungen.

Was sind die Ursachen der primären Arthrose?

Die Entstehungsursachen der primären Arthrosen sind letztlich ungeklärt. Sie betreffen häufig mehrere Gelenke der Hand und sind zudem meist symmetrisch an beiden Händen ausgebildet. Speziell Frauen in den Wechseljahren erkranken häufiger als Männer an diesen auch als Polyarthrosen bezeichneten Arthroseformen.

Was sind die Ursachen der sekundären Arthrose?

Zu einer sekundären Arthrose kann es aufgrund von Vorschädigungen des Gelenks kommen, die ihrerseits verursacht sein können durch Fehl- oder Überbelastungen, nach Gewalteinwirkungen wie Verrenkungen und Knochenbrüchen, nach Gelenkentzündungen, bei Gicht, angeborenen Fehlbildungen der Gelenke oder neurologischen Erkrankungen (mit Muskelschwäche bzw. Lähmung oder Spastik).

Weiterhin wird die sekundäre Arthrose begünstigt durch Risikofaktoren wie Übergewicht, Ruhigstellung des Gelenks oder allgemein verminderte körperliche Aktivität.

Wie äußert sich eine Arthrose der Hand?

Die folgenden charakteristischen Symptome lenken den Verdacht auf eine Arthrose:

In fortgeschrittenen Stadien dominieren der Schmerz in Ruhe, die Bewegungseinschränkung und eine zunehmende Verformung des Gelenkes.

Wie sieht die Arthrose aus? 

Das folgende Bild (1) zeigt eine Arthrose des Mittelfingergrundgelenkes. Wir sehen eine weiße Gelenkfläche mit noch erhaltenem Knorpel und eine so genannte Knorpelglaze. Hier fehlt der Knorpelbelag vollständig.

Was ist eine aktivierte Arthrose?

Die Arthrose, gleich ob primär oder sekundär, ist in erster Linie eine Erkrankung des Gelenkknorpels. Durch die Knorpelabriebprodukte innerhalb des Gelenks kann es zur entzündlichen Reizung der Gelenkhaut mit Ausbildung eines Gelenkergusses und den äußerlich sichtbaren Zeichen Schwellung, Rötung, Überwärmung kommen. In diesem Stadium spricht man von einer aktivierten Arthrose (also einer Arthrose mit entzündlicher Komponente). Im Englischen wird die Arthrose auch als (Osteo-)Arthritis bezeichnet. Hier wird die entzündliche Komponente betont. Dennoch unterscheidet sich die Arthrose von der rheumatischen Erkrankung!

Wie ist der Verlauf einer Arthrose?

Zu Beginn sind meist nur ein oder wenige Gelenke der Hand betroffen. Das erste Symptom sind bei Belastung auftretende Schmerzen sowie Schmerzen und Steifigkeitsgefühl nach Ruhe und am Morgen. Letztere bessern sich nach Bewegung (Anlaufschmerz).

Bei fortschreitender Erkrankung kommt es allmählich zur Einschränkung der Gelenkbeweglichkeit und zur Druckschmerzhaftigkeit der betroffenen Gelenke.

Schließlich folgt eine Gelenkdeformierung durch Veränderungen sämtlicher am Gelenk beteiligter Strukturen wie Knorpel, Knochen, Bänder und Sehnen. Durch Lockerung der Bänder wird das Gelenk zunehmend instabil, Verrenkungen des Gelenks sind die Folge. Zusätzlich treten Muskelschwund, Muskelverspannungen und -verkürzungen auf.

Verläuf die Arthrose immer fortschreitend?

Nein! Die Arthrose der Hand muss keinesfalls immer in der aufgeführten Art und Weise voranschreiten. Atypische Verläufe mit Stillstand oder gar Rückgang der Befunde werden ebenso beobachtet.

Wie wird die Diagnose gestellt?

Liegt ein Arthroseverdacht vor, wird eine Röntgenaufnahme der betreffenden Gelenke angefertigt, auf der der Arzt die für die Diagnose entscheidenden Veränderungen feststellen kann.

Gibt es Blutuntersuchungen, die eine Arthrose anzeigen?

Nein! Laboruntersuchungen von Blut und Urin dienen dem Ausschluss von Gelenkerkrankungen anderer Ursachen (Gicht, bakterielle Gelenkentzündungen u.a.), für die Diagnose der Arthrose selbst haben sie keine Bedeutung.

Wie wird eine Arthrose therapiert?

Wichtige therapeutische Gesichtspunkte der Arthrose sind zum einen die Entlastung überanspruchter Gelenke, zum anderen aber die aktive Übungsbehandlung mit Bewegungstraining, Haltungstraining, allgemeiner Kräftigung und Dehnungsübungen.

So kann ein Fortschreiten des krankhaften Prozesses im Knorpel aufgehalten und das Gelenk durch Kräftigung der Muskeln und Sehnen stabilisiert werden. Von größter Bedeutung ist es, den Patienten zur eigenständigen Durchführung der Übungen anzuleiten.

Grundsätzlich abzuraten ist von einer Schonung im Sinne einer Ruhigstellung der betroffenen Gelenke, da hierdurch die Versorgung des Gelenkknorpels mit Nährstoffen nochmals verschlechtert wird!

Welche medikamentösen Mittel gibt es? Nutzen sie?

Medikamentöse Maßnahmen stehen bei der Arthrosebehandlung eher im Hintergrund.

Um die Schmerzen zu bekämpfen, können Diclofenac, Ibuprofen oder verwandte Substanzen eingesetzt werden. Bei Vorliegen von unangenehmen Muskelverspannungen sind eventuell Medikamente zur Entspannung, sog. Muskelrelaxantien, hilfreich.

Kommt es im Rahmen einer aktivierten Arthrose zur sekundären Entzündung des Gelenks, bringen manchmal Kortison-Injektionen direkt in das Gelenk Linderung. Diese Therapie birgt jedoch die Gefahr der Gelenkinfektion und muss fachgerecht ausgeführt werden.

Wann wird operiert?

Bei Versagen aller oben genannten Maßnahmen stehen an letzter Stelle operative Eingriffe zur Verbesserung der Gelenkmechanik oder zur Schmerzreduktion.

Bei schmerzhaften Arthrosen im Bereich von Finger- und Handgelenk wird neben dem künstlichen Gelenkersatz (Endoprothese) häufig die operative Gelenkversteifung (Arthrodese) durchgeführt.

Die häufigsten durch eine Arthrose betroffenen Gelenke sind diejenigen, die einer besonders hohen Belastung ausgesetzt sind, meist also Knie-, Schulter- und Hüftgelenk, aber auch die Wirbelsäule kann betroffen sein.

Hier das Röntgenbild (2) eines geschädigten Daumengrundgelenkes mit deutlichem Verschleiß. Die Animation zeigt das Gelenk vor und nach der Operation. Er wurde eine Versteifung des Gelenkes durchgeführt. Die verwendete Technik nennen wir Zuggurtungsosteosynthese. Es gibt noch weitere Versteifungsoperationen der Handgelenke, die ich an anderer Stelle besprechen werden.

Online-Termin-Vereinbarung