Schmerzausschaltung bei Operationen an der oberen Extremität - die Plexusanästhesie

Die Entwicklung der Chirurgie hing von der Entdeckung geigneter Schmerzbekämpfungsmethoden ab.

Der Zahnarzt Horace Wells (1815 - 1847) wendete bei seinen Patienten erfolgreich Lachgas an. Nach erfolgreichter Anwendung von Äther in seiner Zahnarztpraxis bat William Thomas Green Morton (1819 - 1868) den berühmten Bostoner Chirurgen John Collins Warren (1778 - 1856), diese Methoden in einer Operation zu versuchen. Diese Operation fand am 16. Oktober 1846 im Massachusetts General Hospital in Boston statt und war ein voller Erfolg.

Seither sind noch eine große Zahl anderer Narkosemittel erfunden worden. Die Technik ihrer Anwendung wurde immer weiter verbessert und die Anästhesie ist inzwischen ein Spezialgebiet innerhalb der medizinischen Fächer geworden.

Der Einführung der Vollnarkose folgte vierzig Jahre später die Erfindung verschiedener Formen der örtlichen Betäubung. Ein lokales Betäubungsmittel (Lokalanästhetikum) in Form des Kokain wurde 1884 zuerst durch den Augenarzt Carl Koller angewandt. Betäubungsverfahren durch Injektionen wurden  1885 von W. S. Halstedt (Leitungsanästhesie) und 1894 von C. L. Schleich (Infiltrationsanästhesie) entwickelt.

Es erscheint mir  als Chirurg unnötig, mehr über den ungeheueren Wert der Anästhesie für die Entwicklung der "schneidenden" Fächer zu sagen.

In der Handchirurgie kommen letztlich alle modernen Verfahren der Betäubung zur Anwendung. Einen Großteil nehmen sogenannte lokale und regionale Betäubungsverfahren ein.

Ich möchte hier auf die häufig angewendete Betäubung des gesamten Armes (Regionalanästesie), der sogenannten Plexus-Anästhesie eingehen.

Was ist der Plexus?Nervengeflecht d. oberen Extremität (1)?

Plexus ist ein lateinischen Wort und bedeutet "Geflecht". In der Tat bilden die Nerven der oberen Extremität (1) nach ihrem Austritt aus der Halswirbelsäule ein Nervengeflecht.

Bei Operationen an der oberen Extremität bietet es sich an, Betäubungsmittel direkt an die versorgenden Nerven zu spritzen.

Ein häufiger Zugangsweg findet sich an der Innenseite des Oberarmes nahe der Achselhöhle:

Ein weitere typischer Zugang ist am Schlüsselbein möglich. In der Abbildung unten wird zusätzlich noch ein Nervenstimulationsgerät zur besseren Lokalisation der Nerven eingesetzt (2-3).

Diese sogenannte Regionalanästhesie setzt schnell ein. In der Regel ist das Gefühl und die aktive Beweglichkeit aufgehoben. Je nach verwendeten Betäubungsmitteln kann dieser Zustand für mehrere Stunden anhalten. Der taube und unbewegliche Arm wird von manchen Patienten als unangenehm empfunden.
Dennoch ist dieses Betäubungsverfahren gegenüber der Vollnarkose und auch der lokalen Betäubung für die Patienten letztlich angenehmer.

Nachteil der Methode ist, dass auch bei ambulanten Eingriffen der Patient wegen der größeren Mengen Lokalbetäubungsmittel und der Bewegungsunfähigkeit der Hand und des Armes noch einige Zeit in der Beobachtung bleiben muss.

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